Artikel 9 - Schrei nach AufmerksamkeitDas ist Alles Von Der
Rundfunkfreiheit Gedeckt
Die Medien, allen voran den öffentlich-rechtlichen Rundfunk generell zu kritisieren ist oftmals die einfachste Lösung, aber nicht immer gerechtfertigt. Auch wenn die journalistischen Grundsätze zu abgewogenen Quellen und das Unabhängigkeitsprinzip teilweise grenzwertig sind, wie zum Beispiel, in der Arte Sendung vom 05.06.2024, wo einzig und allein der Bericht der israelischen Behörden über die Machenschaften einer von der palästinensischen Staat betriebenen Geheimpolizei genügt, um darüber zu berichten. Als ob staatliche Geheimdienste eine Normabweichung wären und Behörden immer freiheitliche Tugendhaftigkeit glänzten - Stichwort Pegasus, Stichwort Assange. So sind Medien oftmals auch einfach nur Informationsvermittler und können für den Sachverhalt genauso wenig wie Apollon's Bewachervögelchen für das Verhalten der untreuen Königstochter Koronis. Sie also dafür zu bestrafen und fast schon grundsätzlich zum Sündenbock zu erklären wäre sehr kurz gedacht. Denn öffentliche Darstellung oder Verurteilung geht nicht allein nur vom Rundfunk aus, sondern aufgrund der Reichweite sozialer Internetplattformen zum Beispiel auch von einflussreichen Nutzern. Frei übersetzt vom englischen Influencer beeinflusst hier eine kleine, nicht klar definierte Gruppe große Menschenmassen. Im Gegensatz zu ihnen unterliegt der Rundfunk zum Beispiel der Zulassungspflicht nach § 52 MStV und auch für Telemedienanbieter gilt die jouralistische Sorgfaltspflicht aus § 19 MStV und der Gegendarstellungsanspruch aus § 20 MStV. Seit dem Jahre 2023 wird der lento-violento Klassiker "L'amour toujours" des italienischen DJ's Gigi D'Agostino in abgeänderter Form und mit viel Alkoholgenuss in ausgelassener Art und Weise mit dem Refrain "Ausländer raus, Deutschland den Deutschen" gesungen. Videos davon gab es auf sozialen Netzwerken wie Instagram bereits sehr regelmäßig auf Faschingsveranstaltungen, Abifeiern oder anderen Festen. Dies bedeutet, das Phänomen ist im Jahre 2024 eigentlich nicht neu, doch der Aufschrei und die Reaktionen in Telemedien, Rundfunk, Presse und Politik war groß, als Ende Mai 2024 nun ein Video einer Gruppe junger Menschen, die diese Abwandlung des Liedes, mit dem Original selbst im Hintergrund, in einem Club auf Sylt gesungen haben. Der Wettlauf um Klicks und Aufmerksamkeit um sich daran zu in sozialen Medien zu ergötzen hatte begonnen. Verurteilungen wurden sofort aufgesprochen und Rufe nach Verboten sind laut geworden. Soziale Medien und Kameras in praktisch jeder Hosentasche macht Anonymität zwar grundsätzlich schon schwierig, doch das Denuziantentum nimmt hier bizarre Züge an. Es ist nicht die Aufgabe eines Instagrammers öffentlich nach Verdächtigen Personen zu fahnden. Das ist die Aufgabe von Polizeibehörden. Doch es ist einfach und bringt Aufmerksamkeit Menschen als dumm, unwissend oder unmoralisch abzukanzeln. Es fragt sich aber, wie es so weit überhaupt kommen konnte.
Das Rundfunkangebot in Deutschland ist aufgeteilt in öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Nach §2 Nr. 29 Medienstaatsvertrag (MStV) ist unter öffentlich-rechtlich, das Angebot der ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich- rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) als Zusammenschluss der Landesrundfunkanstalten, des ZDF (Zweites Deutsches Fernsehen) und des Deutschlandradios zu verstehen. Der rechtliche und wirtschaftliche Aufbau dieser Institutionen ist sehr durchdacht und raffiniert gestaltet. Indem das Rundfunkrecht nach Art. 30, 70 GG Landesrecht ist und dies ausdrücklich durch das erste Rundfunkurteil des Bundesverfassungsgerichts klargestellt wurde, ist die Grundlage für Pluralismus bei der Meinungsbildung durch das föderale System gegeben. So gibt es in Bayern den BR, in Hessen den HR oder in Baden-Württemberg den SWR. Mit dem §2 RBeitrStV (Rundfunkbeitragsstaatsvertrag) ist zunächst jeder Haushalt dazu verpflichtet einen finanziellen Beitrag für das öffentlich-rechtliche, lineare Medienangebot zu entrichten. Über §1 Verwaltungsvereinbarung „Beitragseinzug“ ermächtigen die jeweiligen Landesrundfunkanstalten den Beitragsservice des ARD, ZDF und Deutschlandradios, früher GEZ, zum Einzug dieses Beitrages. Sie fließen dadurch, dass sie keine Steuern sind, nicht in den allgemeinen Staatshaushalt ein. Die Idee ist, eine regierungsunabhängige Medienlandschaft zu errichten. Da Steuern nicht zweckgebunden sind, könnte der Haushalt und der Fokus der Ausgaben je nach Regierungszusammensetzung finanzielle Abhängigkeiten für die öffentlich-rechtlichen Medieninstitutionen schaffen und dadurch Einfluss auf die Programmgestaltung nehmen. Der Rundfunk hat, als vierte Gewalt zur Überprüfung der drei Staatsgewalten, nach Rechtssprechung des Bundesverfassungsgerichts die dienende Freiheit und Funktion zur öffentlichen Meinungsbildung und Kommunikation. Dieser Ausdruck der vierten Gewalt ist also kein Populismus, sondern im Lichte des Art. 5 Abs. 1 GG, also als Umsetzung der Kommunikationsgrundrechte zu verstehen. Die finanzielle Beinflussung ist damit möglichst reduziert, dennoch gibt es Querverbindungen zur Politik zum Beispiel über §4 Rundfunkfinanzstaatsvertrag (RFinStV). Darin wird eine unabhängige Kommission zur Überprüfung und Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) berufen, deren 16 Mitglieder von den jeweiligen Ministerpräsidenten der Länder bestimmt werden. Inwieweit also politische Einflussnahme, mediale Modeerscheinungen oder tatsächlich individueller Journalismus das Programmgeschehen bestimmt bleibt formal ungeregelt. Das wäre auch äußerst schwierig. Das Ziel wäre sowohl die föderale und regionale Vielseitigkeit als auch die gesellschaftliche Meinungsvielfalt ausgewogen abzubilden. Dem Demokratieprinzip folgend gelten staatliche Akteuren als Adressaten der Kontrollfunktion des Rundfunks und nicht umgekehrt. Jegliche Einflussnahme und sei es nur die Drittelgrenze könnte hier schon zu hinterfragen sein. Insgesamt ergibt sich grundsätzlich eine recht abgewogene Programmzusammensetzung. Sowohl für Kinder als auch Senioren, sowohl für Sportbegeisterte als auch Musikinteressierte ist wirklich alles dabei. Von den Nachrichten zur Seifenoper ist von Morgens bis Abends für Abwechslung gesorgt. Die Programmgestaltung bietet einiges an Vielseitigkeit. Ob dies für den Programminhalt ebenso gilt ist schon schwieriger zu ermitteln.
Nun ist spätestens seit dem Westerland Schlager der Ärzte, Sylt für den Urlaub der deutschen Oberschicht bekannt. Damit ist zunächst festzustellen, dass eine konservative, rechtere Einstellung im Bezug auf Migration bis hin zur Oberschicht Einzug gefunden hat. Möglicherweise war diese auch niemals weg. Beim Liedtext selbst handelt es sich um Aussagen, die auch auf Wahlplakaten von Parteien stehen könnten. Im Gegensatz zu Frankfurter Rap-Musik ist kein Aufruf zur Gewalt oder Mord enthalten. Grundsätzlich wäre der Vorwurf der Volksverhetzung nach § 130 StGB möglich. Allerdings wurde diese Strafbarkeit in der Vergangenheit bereits durch AG Rathenow, Urt. v. 13.04.2006 - 2 Ds 496 Js 37539/05, NStZ-RR 07, 341 abgelehnt Gefährlich könnte aber die Gegensätzlichkeit des fröhlichen Rythmus mit der Aussage sein, weil es deren Radikalität verdeckt. Allerdings müsste dann auch ein bedrohlicher Kontext geherrscht haben nach OLG Brandenburg, Urt. v. 28.11.2001, 1 Ss 52/01, NJW 2002, 14040. Die Interpretation "raus" könnte zwar auf Gewalt hindeuten. Doch dies verkennt auch die rechtlichen, demokratischen Möglichkeiten Einwanderungspolitik mitzugestalten. Ob es tatsächlich förderlich ist und ob Ausländer raus wirklich die ultimative Problemlösung ist steht auf einem anderen Blatt. Es scheint recht wenig durchdacht. Doch die Aussage selbst ist nicht gewaltverherrlichend sondern sie ist eine Meinung und Meinungsäußerungen sind nicht dem Beweis zuträglich. Es handelt sich nicht um eine Tatsachenbehauptung, sondern um eine Meinung in Form eines Liedes. Die Meinungsfreiheit wird in Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG geschützt. Es besteht kein grundrechtlicher Schutz für die Verbreitung bewusst unwahrer oder erwiesen unwahrer Tatsachen. Hier handelt es sich jedoch nicht um Tatsachen. Hier handelt es sich um eine Einstellung zur Einwanderung, eine Meinungsäußerung zur Thematik. Genauso könnte es eine Meinung sein die Zuwanderung Deutscher nach Bayern oder Österreich zu begrenzen. Es ist wohl wahr, dass die AFD mit ihren ständigen Grenzüberschreitungen verbaler Art, diese Aussagen erst mit möglich gemacht haben. Doch ebenso normalsiert sich die Auffassung eher zu verbieten, anstatt sich an andere Meinungen reiben zu wollen. Die Auffassung zu vertreten, dass Deutschland nur für Deutsche sei, mag nicht schön sein, aber es kann die Meinung einiger sein. Der allgmeine Aufschrei von Beinflussern und Presse, verdeutlicht die Tendenz bestimmte Inhalte immer weiter einzuschränken. Lieder zu verbieten, die zuvor Kulturgut waren hat sich spätestens seit dem "Donaulied" eingebürgert. Was Kunst und Kultur ist steht nicht der Diskussion über höher- oder niederwertiger zu. Dieses Lied ist zwar inhaltlich politisch rechts angesiedelt, doch ein Verbot verdeutlicht nur die Unbereitschaft sich mit einem Phänomen auseinanderzusetzen, dass existiert. Dies ist nicht allein den Medien zuzuschreiben, sondern auch politisch scheint es die einfachste Lösung zu sein. Dieses Lied ist ein Hilfeschrei, einer hemmungsloser Aufschrei. Es ist ein Symptom eines gesellschaftlichen, medial und politischen Missstandes. Fraglich sind die Ursachen des Symptoms.
Durch die Kultur der öffentlichen Demütigung im Böhmermann-Format, einer Verdachtsberichterstattung fast so grenzwertig wie die Musik von Rammstein, einer Abkanzelkultur selbst bei Hamburger BWL-Vorlesungen oder gleich der Löschung von Aussagen auf öffentlichen Druck hin, hat sich die Tendenz ergeben, auf individueller Ebene eher konformen, weichgekochten Inhalt öffentlich kund zu tun. Als ob möglichst ausgewogen und milde die ultimativen Tugenden seien. Es bedeutet nicht, dass Dampfplauderer und Populisten, die nur darauf aus sind andere zu verschmähen, ebenfalls Aufmerksamkeit bekommen sollten. Aber der Versuch es jedem Recht zu machen, niemandem auf die Füße zu treten macht die Diskussion so eintönig wie Buchstabeneinsuppe. Die dadurch gewonnene Konformität trifft demtensprechend nur noch auf eine kleine Gruppe zu, die sich dieser zugehörig fühlen. Aber die Vielseitigkeit eines ganzen Gesellschaft geht dadurch verloren. Ein Teil der Gesellschaft kann sich ganz im Sinne der Theorie der Schweigespirale nicht mehr öffentlich äußern. Ganz im Gegensatz zu den kleineren, lautstarken Gruppen, die nach dieser Theorie umso präsenter sind. Es wäre aber falsch, dieses Schweigen, als Zustimmung zu interpretieren. Der Alltag bestimmt das Leben der meisten Menschen und nicht jedes Detail kann medial ständig vertreten werden. Vieles wird lange Zeit akzeptiert und hingenommen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass es nicht wahrgenommen wird. Dem D'Agostino-Phänomen aus dem vorherigen Abschnitt folgend, handelt es sich nicht nur um einen Teil, sondern um einen bedeutenden Gesellschaftsteil, der nicht sprechen will oder auch nicht sprechen kann und singend scheint es aus ihm herauszuplatzen. Dies soll keine Werbung für das Lied sein, sondern eine Interpretation des D'Agostino-Phänomens sein und die Frage eröffnen, wo diese Abspaltung eines großen Bevölkerungsteils herkommt. Diese Frage gilt es zu erörtern anstatt die nächste Sau durch's Dorf zu treiben und wegen medialem und politischen Druck Meinungen zu verbieten.
Die Annahme ist zunächst, dass es keine einzelne Ursache für den Rechtsruck in Deutschland und Europa im Jahre 2024 gibt. Hier Russland und China pauschal die Veranwortung zuzuschieben, weil Medientrolle soziale Netzwerke mit verblödenden Inhalten vollstopen wäre ebenfalls zu kurz gedacht. Es ist zwar so, dass zum Beispiel über RT Deutschland massenhaft Videos von Spinnern oder KI-Fälschungen verbreitet werden. und diese sind eine ernstzunehmende Gefahr. Doch es gibt auch andere Tendenzen, von denen ein Teil, womöglich sogar ein größerer Teil der Gesellschaft nicht überzeugt ist und sich öffentlich nicht mehr in Politik und Medien repräsentiert sieht.
Im Buch "Frauen" von Marilyn French aus dem Jahre 1977 wird die schwierige Situation einer Art Gefangenschaft für Frauen in der damals in den USA vorherrschenden Gesellschaftsstruktur beeindruckend beschrieben. Hier hat sich in den letzten 50 Jahren viel verändert. Aber wie schon am Hindukusch, bleibt es fragwürdig, ob diese gewonnene Freiheit auch bei OnlyFans, völlig ohne männlichen Zwang aus den 70ern, mit dem Verkauf des eigenen Körpers weiter gefochten wird. Die Gesellschaft ist jedenfalls nicht an dem Punkt der Parität und Geschlechtergleichheit angekommen. Doch es wird sich noch beweisen müssen, ob die Strategie des Abkanzelns unerwünschten Verhaltens und selbsternannt korrekte Sprachregeln diese herzustellen vermögen. Von lateinisch strātum also Schicht oder Decke abstammend, beschreibt diastratischer Sprachwandel den Wandel in der Sprache ausgehend von Gesellschaftsschichten. Dahinter steht die Annahme, dass unterschiedliche Gesellschaftsschichten auch unterschiedliche Phrasen, Ausdrücke, Vokabeln und grammatische Strukturen verwenden. Es ist eine große Herausforderung jemanden in deutschen Großstädten zu finden, der es schafft 5 zusammenhängende deutsche Sätze ohne englische Ausdrücke zu bilden. Sprachliche Armut und die vermeintliche Ansehnssteigerung durch Anglizismen sind der Treiber dieses Phänomens, welches bis in Medien und Gesetzgebung vorgedrungen ist. So ist zum Beispiel festzustellen, wenn Marietta Slomka im Heute Journal vom 04.02.24 in Minute 10 "X" sagt um sich auf die Twitter-Nachfolgeplattform zu beziehen, so sagt sie dies mit englischer Phonetik, also /ˈɛks/ statt /ˈɪks/, wenn Markus Dahl in Minute 11 von Inhaltsmoderation redet, nennt er dies Content Moderation und wenn Frontal 21 von sozialen Medien berichtet sind es social media. Im Rechtskontext wäre zum Beispiel Paragraf 60d UrhG"Text und Data Mining für Zwecke der wissenschaftlichen Forschung" zu nennen. Im Telemediengesetz ist ab § 2 Nr. 10 von Videosharing die Rede. Die Richtline 2000/31/EG ist eine Art Vorläufer des Gesetzes über digitale Dienste und des Gesetzes über digitale Märkte. In öffentlicher Kommunikation wird allerdings der Begriff der „E-Commerce-Richtlinie“ genannt und nicht grundlos fragte schon 2005 Volker Wissing von der FDP nach Anglizismen in Titeln und Untertiteln von Gesetzen und Verordnungen. Im Kontext der Ansehnssteigerung spricht man in diesem Fall diastratisch von unten nach oben. Sprachwandel gibt es aber auch von oben nach unten. Die mediale Spracherziehung und die damit einhergehende selbstauferlegte Sprachautorität wäre solch ein Fall. In der Kanzelung durch die Sprache selbst liegt im Gegensatz zum aufwärts gerichteten Sprachwandel jedoch ein Element der Bevormundung. Bevormundung ist die Einschränkung der Entscheidungsfreiheit. Die andauernde Bevormundung führt zu Frustration zumindest in Teilen einer Gesellschaft. Als freies Individuum einer Bevormundung kritisch gegenüber zu stehen ist zunächst nichts außergewöhnliches. Das Kanzelungswerkzeug der Sprache nicht so zu aktzepieren ist kein Ausdruck von Extremismus sondern kritisches Hinterfragen. Denn angepasste Sprachregeln scheinen zwar auf den ersten Blick Sinn zu ergeben, doch es verkennt die Sprachgeschichte, in der kein Kommitee entschieden hat so unterdrückerisch wie möglich Satzbau und Grammatik zu konstruieren. Natürliche Sprachen haben keine Geschlechter, weil sie das Ziel haben die Hälfte der Bevölkerung zu unterjochen. Sprachen haben sich als Kommunikationswerkzeug entwickelt um komplexe Sachverhalte möglichst effizient darzustellen. In den unterschiedlichen Sprachfamilien haben sich hier Strategien herausgebildet, welche sich in Eigenarten der jeweiligen Phonetik, Syntax oder Grammatik zeigen. So macht die deutsche Sprache nun einiges mit. Die zwanghafte Vermeidung des scheinbaren Mannes zu verwechseln mit dem Indefinitpronomen "man" ist der Sprache unwürdig. Die Syntax "es wurde sich unterhalten" anstatt "Man hat sich unterhalten" gibt es nicht, da das Subjekt im Satzbau fehlt. Der männliche Artikel "der" wird für die Singularbildung benutzt. Dies bedeutet allerdings nicht, dass das grammatikalische Geschlecht auf jeden Singular des biologischen Geschlechts zurückzuführen ist. Der weibliche Artikel "die" wird für die Pluralbildung im Deutschen ausschließlich verwendet. Dies bedeutet aber nicht das "der Tisch" plötzlich biologisch weiblich wird, wenn es sich um "die Tische" handelt. Das Partizip Präsens im Deutschen hat die Funktion Gleichzeitigkeit auszudrücken. Diese Regeln über Bord zu werfen gipfelt in Sprachakrobatiken und der Fehlnutzung des Partizips wie zum Beispiel in der Deutschlandfunksendung "Computer und Kommunikation" vom 04.05.2024 in Minute 24. Im Zitat daraus: "... vermutet, dass die Möglichkeit von nutzenden sich über Inhalte auf Facebook oder Instagram zu beschweren nicht den Anforderungen des europäischen Rechts gerecht werden ..." wo das Partizip ohne das erwartete Subjekt selbst zum Subjekt als Partizip Perfekt umdeklariert wird. Es erschwert dem Zuhörer dem Programm zu folgen und könnte dazu geführt haben, dass sich zum Teil von Medien dieser Art abgewendet wurde. Doch es gibt auch Vorteile einer solchen Sprachpolitik abgesehen von der vermeintlichen Lösung der Gleichberechtigung. Im Sinne der Stärkung und des Schutzes der Minderheitensprachen wie Friesisch, Sorbisch, Sächsisch oder Bairisch wäre eine Abkehr von Deutsch hin zu simplifiziertem Denglisch oder Englisch durchaus zu begrüßen. Traditionen, Kulinarik, Bräuche und kulturelle Vielfalt der Regionen sind in Deutschland, bis auf Teile Bayerns und wenige andere Ausnahmen, sehr selten geworden und eine Amerikanisierung hat auf Bundesgebiet mehr oder weniger für Homogenität auf all diesen Ebenen gesorgt. Tradition ist kein jährlich Kulturkommerz mit kollektivem Besäufnis. So wäre es konsequent der Effizienzmaxime folgend dem Englischtrend zu folgen. Der größrere Gesellschaftsteil, der nicht mit dem Schutz von Minderheitensprachen in Berührung steht, könnte sich in dieser Tendenz aber als nicht vertreten ansehen. Sprache ist ein identitätsstiftendes Persönlichkeitsmerkmal. Dass ein die Umgestaltung dieser Elemente kommentarlos hingenommen wird ist in einer mündigen Zivilgesellschaft nicht zu erwarten. Auch wenn der Aufschrei eventuell nicht sofort folgt, so platzt er betrunken irgendwann in einer Sylter Bar heraus. Der Preis des Akzeptanzverlusts der Medien ist den Mehrwert der emanzipatorischen Augenwischerei der Sprachanpassung nicht wert.
Der Berliner Ingenieuer Konrad Zuse hat in den 1940er Jahren das IT-Zeitalter miteingeläutet. Die professionelle IT-Branche gibt es seit den 60ern. Sie ist heute eine der wirtschaftlich stärksten und einflussreichsten Branchen weltweit. Sie ist also über 70 Jahre alt und seit Anbeginn von der Idee des Open Source begleitet. Spätestens seit dem freien Zugang zu Quellen durch das Internet ist es jedem und jeder möglich sich in Themen wie IT-Sicherheit, Programmiersprachen, Architektur, Cloud, Blockchain, künstlicher Intelligenz, Big Data oder Algorithmen fortzubilden. Hier von männlicher Dominanz zu sprechen, die es der weiblichen Bevölkerung nicht zulässt sich in diesem Bereich zu professionalisieren verkennt die Tatsache, dass der Zugang seit fast 40 Jahren frei von jeglichen Barrieren ist. Es gibt in den meisten Foren oder Internetseiten weder Anmeldungs- noch Klarnamenzwang worauf auf eine weibliche Identität zu schließen wäre. Dennoch gibt es hier weiterhin keine Parität weder auf untersten noch auf obersten Positionen. Die Argumentation, dass Männer den Zutritt verweigerten scheint damit zumindest für die Branche der IT löchrig. Hört man erfolgreichen Frauen wie der Thyssen-Krupp Chefin zu, so bestätigt sie nicht das Bild des Mannes, dessen berufliche Hauptaufgabe darin besteht Frauen ein berufliches Weiterkommen zu ermöglichen. Dies soll nicht bedeuten, dass es sexualisierte und herabwürdigende Aussagen nicht geben würde. Diese gibt es sehr wohl. Doch Männer werden von anderen Männern genauso durch bissige und erniedrigende Aussagen beleidigt oder zumindest aus der Reserve gelockt. Nicht umsonst gibt es die Metapher des Haifischbeckens. Dies macht es noch lange keinen Deut besser und auf die Spirale des gegenseitigen Ausspielens sollte man auch nicht hereinfallen. Doch hört man Frauen zu wie sie über Männer reden, ist das zwar weniger vulgär als bei einer Jugendfußallmannschaft, aber bei weitem kein reiner Engelsgesang und enthält ebenso körperlich bestimmte Wertungen. So scheint eine statistische Mehrheit der weiblich Heterosexuellen die Bevorzugung größerer Männer zu gelten. Hier soll dies auch nicht veruteilt werden, sondern nur als Zustandsdarstellung aufgeführt sein. Sexismus ist kein einseitiges Phänomen sondern zeigt sich an den unterschiedlichsten Situationen. Wenn ein älterer Mann sich eine 20-Jährige Frau als Liebhaberin oder einfach nur Sexualpartner aussucht wird dies als pervers dargestellt - siehe Wendler. Die umgekehrte Situation, einer älteren geschiedenen Frau, die sich einen jüngeren Partner sucht, findet im Sinne der "Go queen, you deserve it" Mentalität Verstärkung. Abgesehen, dass manche Dinge Privatsphäre sind und niemanden etwas angehen, ist das was bleibt, dass Sexismus nicht schön ist und doch jeden betreffen kann. Worte können verletzen und genauso wenig wie es normal ist jemandem ins Gesicht zu schlagen, sollte es nicht normal sein jemanden aufgrund körperlicher Merkmale zu schikanieren. Doch künstliche Sprachabwandlung ist die andauernde Unterstellung von böser Absicht und Sexismus, die dieses Phänomen selbst gar nicht verändert. Im besten Fall wird es dadurch verschleiert. Der Großteil der männlichen Bevölkerung hat diese böse Absicht in der Sprachanwendung nicht. Ausdrucksformen gesetzlich oder gesellschaftlich durch Ächtung zu verbieten, heißt einerseits nicht, dass sie nicht noch gedacht werden. Andererseits ist die Annahme, dass sie irgendwann dadurch nicht mehr gedacht werden, weil sie nicht mehr gesagt werden dürfen, spekulativ und erscheint wenig vom Gedanken der Freiheit begleitet zu sein. Spitzenpositionen durch fachfremde Personen aufgrund ihres Geschlechts zu besetzen, mit der Argumentation, dass die unteren Positionen dann durch die Vorbildwirkung besetzt werden ist möglich. Dennoch könnte es als unfair von einem nicht zu kleinen Teil der Gesellschaft betrachtet werden, der sich in dieser Frage nicht zu Wort meldet, da die öffentliche Maßregelung durch den Sexismusvorwurf gefürchtet ist. Die politisch, demokratische Nichtpräsenz dieser maßgeregelten Positionen zum Beispiel im Bezug auf Sprache oder Frauenquote mündet in der Zuflucht in Radikalität. Es war und ist für den freiheitlichen Diskurs sehr schädigend jeden Rechten als Rechtsradikalen oder Sexisten abzustempeln. In demokratischen Strukturen sollte der Wettbewerb der besten Ideen gegeneinander stattfinden und diese sich in der Praxis beweisen anstatt von vornherein ideologisch durch eine Kultur des öffentlichen Abkanzelns ausgeschlossen zu werden.
Wirtschaft hat die ehemals verwurzelnden Kräfte wie Sprache, Tradition oder Religion als das gesellschaftseinende Element schlechthin ersetzt. Wo in anderen Teilen der Welt Ouzo, Pizza, Salsa oder Yoga stolz als kulinarischer oder kultureller Exportschlager respektiert wird, ist man in Deutschland stolz auf die starke Wirtschaftsleistung und das vermutlich auch zurecht. Nicht nur deshalb gilt es diese mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten. Fachkräftemangel wird hier tagein tagaus als Gefahr aufgeführt. Die Zahl der Auszubildenen geht seit den 2000er Jahren stetig zurück. Dafür gibt es verschiedenste Ursachen vom Geburtenrückgang bis hin zum Renteneintrittsalter. Anstatt genügend Schreiner, Bäcker und Elektriker gibt es Coaches, Scrum-Master oder Berater, die mit glaskugelartiger Genauigkeit abschätzen wie KI den ein oder anderen Beruf beeinflussen wird. Diese würden es dann allerdings eher als disruptive AI challenge verkaufen. Der Fachkräftemangel ist aber auch auf eine politische und soziale Entwicklung zurückzuführen. Handwerksberufe wurden sozial niederwertig eingestuft und Ausbildungen auch finanziell weniger unterstützt als dies bei Studenten der Fall war. Die Zahl an Facharbeitern sank über die Jahre. Nun ist der Punkt erreicht, an dem dieser Mangel sich nach Marktgesetzen auswirkt und die Entlohnung aufgrund des gesunkenen Angebots steigt. Bei Managementgehältern oder Kaufpreisen von Fußballspielern scheinen diese Marktgesetze durchaus berechtigt. Wenn es allerdings um den Elektriker geht, der die Photovoltaikanlage installiert, wäre es unfair wenn dieser ebenfalls nach eben diesen Marktgegebenheiten die Preise anpasst. Die Lösung ist mehr Wettbewerb durch mehr Einwanderung. Es soll leichter werden in Deutschland einzureisen, zu arbeiten und einen Pass zu erhalten. Die Passregelung hat wohl den Vorteil der einwandernden Fachkraft die nötige rechtliche Sicherheit zu geben. Es ist verständlich, dass dies damit ein entscheidender Faktor für den Einwanderungswillen ist. Für einen Teil der Gesellschaft entspricht dies - ob nun schön oder nicht - aber auch gleichzeitig einem Ausverkauf der Staatsbürgerschaft. Ein abzuwägendes Thema, bei der Kritik an zu offener Einwanderungspolitik Gefahr birgt abgekanzelt zu werden. Denn die Migrationspolitik mit "Wir schaffen das" abzutun und jeden der damit nicht einverstanden ist als Rechtsradikalen zu bezeichnen hat dazu beigetragen, dass ein Teil der Bevölkerung schweigt und sich vom medialen und politischen Diskurs abgewandt hat.
Nur der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Leitmedium hat die Kraft sich dem sich gut verkaufenden Populismus jeglicher Art zu widersetzen. Eine demokratische Gesellschaft lebt vom pluralistischer Diskussion. Vielfalt sollte in Rundfunk, Medien, Presse und Politik vertreten sein, sondern der Facettenreichtum der Gesellschaft als Ganzes. Die Annahme in diesem Beitrag ist, dass diese weniger stark repräsentiert ist. Es würde den Öffentlich-Rechtlichen unrecht getan, würden nicht auch private Rundfunksender, Presse sowie soziale Netzwerke, Politik und Zivilgesellschaft in die Verantwortung genommen. Schließlich sind diese keine unabhängigen Akteuere, sondern stehen in Wechselwirkung. Die deutsche Medienarchitektur hat eine raffinierte Rechtsstruktur und weltweit einzigartige Mechanismen, wie zum Beispiel auch das Pressegrosso, welche die Rahmenbedingungen für eine der freiheitlichsten Gesellschaften auf dem Planeten schaffen. Doch moralisch aufgeladene Sprachpolitik, die öffentliche Ächtung und Kultur des Abkanzelns führt zur Nichtrepräsenz von Meinungen und einer Atmosphäre des Schweigens. In Bezug auf Medien hat sich ein Teil der Gesellschaft vom Diskurs und von einst ungeschriebenen Regeln verabschiedet. Schließlich bricht diese Frustration in extremer Form heraus. Sei es die reine Existenz der AFD oder hemmungsloses Grölen auf Sylt. Das Lied ist ein problematisches Phänomen. Die Aussage in der Umdichtung des D'Agostino Lieds ob in Sylt oder anderswo ist rasstistisch. Es bleibt zu hoffen, dass diese Vorfälle sich nicht wiederholen und nicht noch weiter verstärken. Doch Menschen standardmäßig als Rechtsradikale zu bezeichnen trägt langfristig nicht zur Entspannung bei, sondern zu noch tieferen gesellschaftlichen Gräben. Ob man nun bestimmte Meinungen vertritt oder nicht, solange konservative Meinungen in Politik und Medien nicht mehr seriös vertreten werden, werden diese Phänomene nicht verschwinden. Aus einem Themenbad sind drei Beispiele aus dem Bereich der Sprache, der Geschlechterquote und der Einwanderung entnommen. Sie haben eines gemeinsam. Sie betreffen identitätsstiftende Merkmale für Personen - Für die einen mehr, für die anderen weniger. Der Entzug dieser grundlegenden Elemente durch einen unisonoren Medienchor führt zum einem völlig entgleisten Protest in Form eines Liedes. Die Ärzte haben ein anderes tolles Lied - Schrei nach Liebe. Die D'Agostino-Umdichtung schreit nach Aufmerksamkeit.