Monelli

Strize

Und immer bleibt die Frage - Wie viel Hypokrat darf eigentlich sein?

Mastodon Tröts

Artikel 7 - Der Bauer muss weg!

Im Jahr 2017 mault eine alte Frau einen Landwirt aus Norddeutschland bei seiner Arbeit an. Ihr Umgangston ist nicht nur erbärmlich und laut und ihre Argumente voreingenommen, sondern sie sind auch durch verletzende Beleidigungen untermauert. Mit über 80.000 Daumen-Hoch weist dieser Ausschnitt, mitten aus der Gesellschaft, einen traurigen Höchststand auf. Er ist repräsentativ für den Stand der Wertschätzung vieler Landwirte, die einer medial recht eintönig aufgeklärten Bevölkerung gegenübersteht. So bleibt es erstaunlich, mit welcher Überzeugung und Halbwissen vor allem im Bereich Ernährung und Landwirtschaft auch von Fachfremden argumentiert wird. Nicht, dass nicht jeder eine Meinung haben sollte, aber dies bedürfte einer vielfältigen Diskussion zur Meinungsbildung - sachlich, ergebnisoffen und ohne Geschrei. Es scheint jedoch, dass man sich nur als Lehrer, Bundestrainer und Landwirte von so vielen Laien zu beraten lassen hat. Gleichwohl nur die Land- und Forstwirtschaft - aktiv handelnd - CO2-Senken unterhält, muss sie sich von einer Gesellschaft beraten lassen, die gleichzeitig unter den 10 weltweit führenden Nationen der Einwegplastikmüllproduzenten steht und - passiv handelnd - versucht ohne Plastikstrohalme zu überleben. Zugegeben, Letzteres ist überspitzt. Dennoch, es ergibt sich eine bizarre Situation für viele Landwirte.

Zunächst ein Blick zurück, um den Sachverhalt historisch anhand einer Statistik einzuordnen. Die absolute Zahl an Landwirten der BRD ist seit den 1950er Jahren von ungefähr 5 Millionen auf weniger als 1 Million in den 1990er Jahren gesunken und liegt laut Statistischem Bundesamt heute bei etwas über 1/4 Million. Die von einem Landwirt bearbeitete Fläche ist im gleichen Zeitraum von circa 3 Hektar auf 13 Hektor um 1990 gestiegen und ebenso die Anzahl ernährter Personen von circa 10 auf 60. Laut der aktuellen Statistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist die mittlere Betriebsgröße heute bereits bei 69 Hektar. Anhand des Berichts "Landwirtschaft im Wandel – erste Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020" des Statistischen Bundesamts auf Seite 2 lässt sich noch weiteres erkennen. So sinkt die landwirtschaftlich genutzte Fläche im Ganzen. Sie schrumpfte im Zeitraum von 2010 bis 2020 um 90.000 Hektar in Deutschland, also um circa einen Prozentpunkt. Hier sei erwähnt, dass Siedlungsflächen im vierjährigen Mittel zwischen Anfang 2018 und Ende 2021 täglich um 55 Hektar zunahmen. Damit wären bereits in der Hälfte der Zeit, ebenfalls 90.000 Hektar größtenteils bebaut. 90.000 Hektar, die nicht umwelttechnisch zur Verfügung stehen, sondern hier wird sogar um ein Steingartenverbot gefeilscht. Wo Fläche verschwand ermöglichten effizienzsteigernde Maßnahmen hingegen sogar noch eine Ertragssteigerung. So zeigt sich in den Ausführungen des Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, dass bei Weizen nahezu eine Vervierfachung der Hektarerträge oder bei Kartoffeln eine Verdoppelung stattfand. Der jahrzehntelange Veränderungsprozess in der Landwirtschaft zeichnete sich also durch Effizienzsteigerung, Automatisierung, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerb aus. Auf Basis dieser Rückschau wird damit zunächste eine Industrialisierung der Branche abgeleitet. Der Begriff der Agrarindustrie ist damit geboren und auch wenn der Wortstamm "Industrie" negativ besetzt sein mag, gibt erst dieser Ansatz die Möglichkeit anwachsende Bevölkerungen preiswert zu ernähren. Dies zeigt sich am Abfall der Ausgaben für Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren von über 50% des Haushaltseinkommens im Jahr 1950 zu knapp 15% im Jahr 2022. Dieser Prozess beinhaltete inherent die Loslösung von Arbeitskraft aus der Landwirtschaft wie sich in Anteil der Wirtschaftsbereiche an der Gesamtbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland von 1950 bis 2022 zeigt. Waren 1950 noch knapp 25% der Gesamtbevölkerung im Primärsektor Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei beschäftigt, so sind es heute gerade einmal 1,2%. Damit einher geht eine Entfremdung von der Landwirtschaft und der Wertschätzung von Nahrungsmitteln. Der Lebensmittelverbraucher ist weitgehend abgeschotten von der Erzeugung seiner Nahrung.

Nun soll an dieser Stelle die erste Aussage getroffen werden - Zwischen der eher romantisierten Vorstellung des prototypischen Verbrauchers zur Nahrungsmittelerzeugung und der knallharten Realität des Preiskampfes im Markt herrscht eine Diskrepanz. Die zweite Diskrepanz prägt sich in der Wahrnehmung des Landwirts aus zwei verschiedenen Standpunkten aus. Nämlich vom Standpunkt des Landwirts aus, dass dieser zwar noch nicht gleich zum Industriellen wurde, sondern Bauer bleibt, aber doch selbstständiger Einzelunternehmer mit Gewinnerzielungsabsicht und Buchführung ist. Letzteres aber steht im krassen Gegensatz zum erwarteten Bild. Als einfaches Fußvolk, wie im Schach oder das sprichwörtliche Bauernopfer, scheint die Vorstellung der Gesellschaft eher noch die eines in der Ständeordnung des Mittelalters gefangenen Bauern zu sein. Jemand, der seinen Beruf mehr als Berufung oder Schicksal sehen sollte und dies so gerne und mit Hingabe macht, sodass Preise nur Nebensache sind. Die sinkende Unterstützung in der Gesellschaft könnte aufgrund dieser Kluft in der Erwartungshaltung und der Realität als Unternehmer entstanden sein. Ein Beispiel dafür wären wiederkehrende und scheinbare Argumente bezüglich der Größe von Traktoren und Landmaschinen und den dabei leichtsinnig und neidisch geschlossenen Rückschluss auf Reichtum. Hier sei zunächst auf obige Statistik hingewiesen. Größere Flächen lassen sich bei sinkender Anzahl an Betrieben weder manuell noch mit einem Ochsen bearbeiten. Wer die Effizienz und Notwendigkeit dieser Maschinen anzweifelt sei zu empfehlen einen Kräutergarten mit dem Spaten umzugraben und sich dann die bearbeitenden Quadratmeter auszurechnen. Viele Betriebe gehen beim Kauf dieser Maschinen ein erhebliches unternehmerisches Risiko ein was oftmals auch negative Folgen für die Weiterführung des Betriebs haben kann, wenn Betriebswirtschaftlichkeit nicht an erster Stelle stände. Abgesehen davon sei weiter darauf hingewiesen, dass es einen Unterschied zwischen Privatvermögen und Betriebsvermögen gibt. Dies ist kein betriebswirtschaftliches Geheimrezept sondern grundlegender Standard nach jedem VHS BWL Grundkurs.

Letztendlich bleibt nach dieser Einordnung zunächst die Erkenntnis, dass Industrialisierung nun eine Realität ist. Ob es auch eine Notwendigkeit war und ist, steht auf einem anderen Blatt. Es ist von den Blickwinkeln der Beteiligten aus abhängig. Das Selbstbild des Landswirts ist stark von seiner Unabhängikeit und Selbstversorgung geprägt. Vom Standpunkt der Gesellschaft hingegen stand zunächst bis in die 2000er Jahre der Wunsch nach niedrigeren Preisen im Fokus. So zeigt obige Statistik, dass Haushaltsausgaben für Lebensmittel aufgrund dieser politischen und gesellschaftlichen Ausrichtung deutlich sanken. Damit stehen sich bereits wieder einmal entgegengesetzte Ansätze gegenüber. Denn Preisreduzierungen können nun einmal durch Mechanisierung, Automatisierung, Effizienzsteigerung und Größe erreicht werden. Aus rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten war dies zunächst nur konsequent. Als Nebeneffekt wurden Landwirte so in die berufliche Umorientierung gedrängt. Entweder in der Aufgabe ihres Betriebs oder die Nebenerwerbstätigkeit wie dieser Beitrag in TopAgrar aufführt. Allein zwischen 2010 und 2022 sank die Zahl der Haupterwerbslandwirte um 7% und wie Hofanzahl sank so stieg deren Größe. Diese Industrialisierung war damit sowohl gesellschaftlich gewollt, aber auch politisch und gesamtwirtschaftlich vorteilhaft, da es eine enorme Zahl an Arbeitskräften aus der Landwirtschaft in andere Industriezweige hinein freisetzen konnte. Aus wirtschaftlicher Sicht ist dies weiterhin ebenfalls konsequent. Ein Land wie Deutschland, das so wenig kulturelle, kulinarische oder traditionelle Vielfalt bietet und seine ganze Attraktiviät und Stärke in Wirtschaftskraft ausdrückt, muss so handeln. Diese politische Ausrichtung des "Go big or go home" wurde nun ab den 2000er Jahren durch eine parallele, zweite Strömung überlagert. Das gesellschaftliche Verständnis für Umwelt wuchs und Parteien wie Bündins90/Die Grünen gewonnen in dieser Zeit an politischem Gewicht. Von 5% in den 80ern bis 15% zur Bundestagswahl 2022 ist dies eine demokratisch anzuerkennende Tatsache. Ein Umdenken, dass bis in die heutigen 30er Jahre des 21. Jahrhunderts quasi jeden Lebens- und Industriebereich betroffen hat. Landschaftspflege und Familienbetriebe als Kulturgut rückten ebenfalls wieder teilweise zurück in den Blickpunkt. Die rein marktwirtschaftliche Betrachtung wurde zunehmend als sehr kurzfristig verstanden. Der Boomerang der Umweltprobleme kommt irgendwann zurück und spiegelt sich gleichzeitig monetär aber nicht wider. Zumindest nicht ohne Werkzeuge des Staates wie Steuern und Subventionen.

Es begann zunächst mit der Aufteilung in Biolandwirtschaft und sogenannte konventionelle Landwirtschaft. Leider artete dies auch in einer Art Ideologiekampf zwischen Landwirten selbst aus. In einer Gesellschaft deren Freizeitausgaben seit 1991 jährlich steigen, deren jährliches Reisepensum steigt und sich im Jahr 2022 die Fluggastzahlen im Vergleich zu 2021 wieder auf ein stabiles Hoch zurück verdoppelt haben, musste jedoch irgendwo gespart werden und aus vielen schönen Worten folgten wenig Taten. So blieb Bio jahrzehntelang Nische und ist es faktisch auch bis heute. Auch wenn die Anzahl an Biobetrieben über die Jahre stieg betrug laut Bericht des Statistischen Bundesamts die Anzahl an Biobetrieben im Jahr 2020 knapp über 7%. Der Wille war zwar da, aber an den Supermarktkassen hat sich in der Praxis gezeigt, was es heißen würde Opfer zu bringen. Nichtsdestotrotz stieg der politische und gesellschaftliche Druck bezüglich Tier- und Umweltschutz. Ein schwieriger Spagat um in beiden Strömungen, der der Effizienzsteigerung und der des Mehraufwands für Umweltschutz, nicht unterzugehen. Vielen Betrieben gelang dies nicht. Eine Umgestaltung der gesamten Wirtschaftsordnung, deren Konzept das der Marktwirtschaft ist, scheint nicht möglich. Umweltschutz ist darin nicht unmittelbar integriert und wird deshalb mittelbar durch Steuern und Subventionen eingebaut. Allzuviele andere Handlungsoptionen sind staatlichen Organen ehrlicherweise damit auch nicht gegeben. Um zumindest eine Annährung an den Umweltschutzgedanken zu ermöglichen sind Subventionen und Steuererleichterungen der Ausweg. Nun sehen Unternehmer traditionell - und damit auch Landwirte - staatliche Einmischung als Gängelei. Unabhängig zu sein wird groß geschrieben und Subventionen werden eher als erniedrigender Ausgleich für Unwirtschaftlichkeit oder gar Marktverzerrung interpretiert. Subventionen beinhalten die Befolgung von Regeln und deren Nachweis entweder bürokratisch oder durch Kontrollen. Beides Mehraufwand und tendenziell unerwünscht. Wie jede andere Industrie muss auch die Landwirtschaft wirtschaflich maximal frei handeln können. Aber selbstverständlich kann es gesetzliche Schranken geben. Gesetzliche Schranken betreffen nicht nur Landwirte, sondern die Privatautonomie im Allgemeinen und sind damit grundsätzlich eine Normalität. Aus Sicht des Staates und der Verbrauchergesellschaft könnte man nun Subventionen als Anerkennung und Bezahlung für die Übernahme eines gesellschaftlichen Auftrags sehen. Landschaftspflege, CO2-Senken, Tierwohl wären dabei zu nennen. Dies wäre allerdings ein Paradigmenwechsel zur Interpretation von Subventionen. Der Aufbau der Subventionen ist komplex. Eine größtenteils flächenbezogene Strategie wie sie seitens EU jahrelang betrieben wurde scheint allerdings auch nicht gerade den Eindruck zu erwecken, dass sie eine echte Anerkennung seien und eher Größe weiter fördert. Nicht nur weil unternehmerische Tätigkeit auf staatliche Unabhängigkeit hin strebt und damit Subventionen kritisch gegenüber steht, sei eine letzte Diskrepanz aufgeführt: Mit steigenden SUV-Neuzulassungen, steigenden Fluggastzahlen, konstant anhaltender Flächenversiegelung, Kunstschneeproduktion zur Bespaßung einer Freizeitgesellschaft und einer Chefumweltaktivistin mit Klimaanlage auf Hochtouren in Dubai hallt ein gesellschaftliches Echo wider, das entgegengesetzer kaum sein könnte. Die Aufrechterhaltung der Kerosionsteuerbefreiung zur erwerbsmäßigen Beförderung von Personen und Sachen durch Luftfahrtunternehmen erscheint zumindest auf den ersten Blick als Gipfel der Hypokratie. Kraft Natur des Sache ist Landwirtschaft der exponierteste Bereich für Umwelt- und Tierschutz. Aber aus Sicht des Landwirts stieg mit obiger gesellschaftlicher Entwicklung die Frustration und der Eindruck ganz allein für die Beseitigung von der Umweltschäden verantwortlich zu sein. Würden nun Subventionen und wirtschaftliche Erleichterungen in Form von Kfz-Steuer und Agrardiesel als Anerkennung interpretiert, so würde nun seit den Ankündigungen des Landwirtschafts- und Finanzministeriums, selbst diese noch gestrichen werden. Eine Landwirtschaft, wo der durchschnittliche Arbeitstag eher aus 12 Stunden besteht, 7 Tage pro Woche Bereitschaft herrscht und teilweise ganze Familiengenerationen an der Bewirtschaftung teilnehmen, die einer Freizeitgesellschaft gegenübersteht, die eine 4 Tage Woche bei vollem Lohnausgleich fordert, lässt nun abschließend auch nur konsequent ein Fass zum Überlaufen bringen und mündet in den aktuellen Bauernprotesten. Im Sinne dieser Darstellung vier verschiedener Unstimmigkeiten im Bezug auf Wahrnehmung und Tatsache, Wunsch und Realität sind die akutellen Proteste verständlich und zu befürworten.

Nun steht dem gegenüber, dass die Subvention eines umweltbelastenden Treibstoffs gerade dem Umweltschutz entgegensteht. Dies ist zunächst richtig. Die reine Reduktion der Diskussion auf die Subvention von Diesel könnte den Sachverhalt zu stark zusammenfassen. Zwei Argumente können dem deshalb entgegenstehen. Zum einen gibt es einen Industriestrom. Dieser setzt sich aus umweltbelastenden und umweltschonenderen Bestandteilen zusammen. In Form von Strom ist die Energieerzeugungsart zunächst versteckt. Somit erhalten energieintensive Branchen Strom zu einem vergünstigten Preis. Begründet wird die Stromsubvention über die Wettbewerbsfähigkeit und dass Industrien ansonsten abwandern. Der Landwirtschaft ihren Energieträger der, leider immer noch, auf fossilen Energieträgern beruht, mit dem Argument Unterstützung zu verwehren, dass diese sowieso nicht abwandern könnten, würde Erpressern nachgeben. Abgesehen von dieser vergleichenden Begründung ist Agrardiesel nur eine Art Unterstützung. Wie man das Kind nun nennt und ob sich Modalitäten der Förderung, Unterstützung oder Anerkennung ändern ist optional. Dies steht jedoch aktuell gar nicht zur Debatte. Es geht rein um Einsparmaßnahmen und die Kürzung einer Anerkennung in Form von Geld. Eine Anerkennung die damit nur Lippenbekenntnis bleibt.

Dass sich die Landwirtschaft nicht wandeln und weiterentwickeln müsste, soll hierbei allerdings nicht postuliert werden. Die Abkehr von der Anbindehaltung von Milchkühen ist doch als Errungenschaft anzuerkennen. Das Glyphosat-Thema klopf ebenfalls bereits an der Tür. Auch hier entsteht aber ein Spannungsfeld zwischen Wollen und Können, zwischen Verbraucherbereitschaft und weltweitem Konkurrenzkampf. Doch dass Landwirte dazu bereit sind zeigt sich doch in deren Kreativität und Anpassungsfähigkeit. So zeigt das Statistische Bundesamt, dass nahezu 50% aller Betriebe bis 2020 eine zusätzliche Einkommenquelle bezüglich erneuerbarer Energien betrieben und fast 20% den Einstieg in die Direktvermarktung gewagt haben. Ob als Biogasanlagen- oder Photovoltaikanlagenbetreiber wird mit entsprechenden Rahmenbedingungen die aktive Mitgestaltung an gesellschaftlichen Aufträgen, wie dem Abbau der Energieabhängigkeit, beigetragen. Die eingangs erwähnte Frau ist die sinnbildliche Ignoranz und gleichzeitig peinliche Mahnung daran, dass die Realität meist weitaus komplizierter ist als man sich wünscht und historische Ereignisse viele Verstrickungen schaffen. So sind Biogasanlagen zwar einerseits eine Möglichkeit ein weiteres Standbein aufzubauen und die Möglichkeit strategische Energieabhängigkeiten umweltfreundlich abzubauen, allerdings hatte diese Entwicklung Mitte der 2000er Jahre die Wirkung, dass Flächenpreise extrem stiegen und Schwierigkeiten für kleinere Betriebe den wirtschaftlichen Anschluss zu halten. Politische und gesellschaftliche Tendenzen haben Konsequenzen, deren Tragweite und Horizont außerhalb von Legislaturperioden liegt. Dies soll das Beispiel Biogasanlage zeigen, bevor abschließende Überlegungen ausgeführt werden.

Wie verbleibt man nun beim Thema und wo geht die Reise hin? Aus Sicht der Landwirte ist die Solidarisierung nicht nur in Bayern, sondern in Deutschland und innerhalb Europas durchaus zu begrüßen und möglicherweise ergeben sich Bündnisse und Partnerschaften, die in langfristiger, politischer Einflussnahme münden. Aus Sicht der Gesellschafts hat sich historisch ein Wandlungsprozess vollzogen. Eine Gesellschaft die stark Landwirtschaftlich geprägt war, wurde zu einer Verbrauchergesellschaft, die weitgehend abgeschnitten ist von jeglicher Selbstversorgung. Eine Tendenz, die erst in jüngster Vergangenheit in Sachen Energie- und Rohstoffpolitik einschneidende Konsequenzen aufzeigte. Fehler, die durch so weitsichtige und selbstlose Talente wie Gerhard Schröder eingeleitet, Jahrzehnte später auf die Füße fallen. Macht man einen Fehler einmal, so wäre dies menschlich. Macht man den gleichen Fehler und begibt sich nach Versorgungsenpässen in Energie und Rohstoffen nun in Versorgungsabhängigkeiten indem man die eigene Landwirtschaft aufs Spiel setzt, wäre dies töricht. Nimmt man außerdem den Umweltgedanken tatsächlich ernst, so wäre die Kommunikation in Bezug auf Subvention anzupassen um echte Wertschätzung tatsächlich zu zeigen. Aus Sicht der Politik liegt es nun in deren Hand weiter Betriebe an deren wirtschaftliche Grenzen zu treiben um mehr Arbeitskräfte für andere Tätigkeiten, zum Beispiel für die Digitalisierung zur Entwicklung der nächsten Yoga-App, zu erhalten. Solange geistreiche Finanzjongleure wie Frank Thelen die Bundesregierung beraten, ist hier leider nur tiefschwarz zu sehen. Aus Sicht der Gesellschaft liegt es in deren Hand, ob man noch größere Betriebe haben möchte, oder ob Familienbetriebe als kulturelles Gut anerkannt werden, Landschaftspflege und Landschaftsvielfalt gewollt ist und der Umweltgedanke wirklich ernst gemeint ist. Die Bauern werden für ihre Sache kämpfen, sie haben auch keine andere Wahl.