Artikel 6 - Siedler - ein wirklich erhabenes Spielchen
Schon lange Zeit, wenn nicht schon seit Anbeginn des Medienzeitalters, waren Vorwürfe im Raum bezüglich der Art der Berichterstattung großer Medien. Meistens stammen die doch von fragwürdigen Personen und Gruppen, denen wohl zu recht keine große Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Stück für Stück schlichen sich allerdings bereits kleinere Fragen ein. So gab es 2021 die scheinbar gleichzeitige und allumfassende Umbenennung eines Landesnamens in den gleichen, nur weniger natürlich für deutsche Muttersprachler. Im August 2021 wurde plötzlich nicht mehr von Weißrussland, sondern nur noch von Belarus zum Beispiel in ZDF, ARD oder ARTE gesprochen. Das Wort Weißrussland setzt sich aus den gleichen semantischen Teilen zustande wie Belarus. Bela bezeichnet dabei Hell oder Weiß und Rus bezieht sich auf einen Teil des slawischen Gebiets der ehemaligen Sowjetunion. Das war bereits ein interessanter Vorgang und offen blieb was wohl die Absicht dahinter war. Ein Scherz wird wohl ausgeschlossen sein. Bei so professioneller Berichterstattung wie sie von diesen Medien ausgeht, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um Absicht handelt. Diese phonetische Ähnlichkeit zwischen Weißrussland und Russland sollte aufgehoben werden, um eine politische Distanz zu erzeugen. Selbstverständlich ist doch die Unabhängigkeit des Staates Weißrussland und so wie jede Freimachung von einem großen Staat, sollte auch die Weißrusslands unterstützt werden. Das ist eine Meinung. Aber ein so dermaßen billiges Vorgehen zur Erzwingung von einer Meinung wirkt doch sehr abstoßend. Die sprachliche Verklärung, dass Begriffe wie Länderbezeichnung nicht übersetzt oder gar eigenständige Begriffe wären, ist sprachwissenschaftlich nicht richtig. So gibt es im Deutschen für die norditalienische Stadt Milano, den eigenständigen toponomischen Begriff Mailand. Und im Spanischen wird auch nicht von Deutschland gesprochen, sondern Alemania. Die Alemannen, stehend bezeichnend aber nicht für ganz Deutschland, sondern waren eine Ethnie im Raum des heutigen Baden-Württemberg.
Zweifel an der Berichterstattung und eines gewissen Neutralitätsprinzips werden allerdings weiter gestreut durch Grammatikanpassungen z.B. mittels Partizip und der Versuch, dadurch unter anderem Arbeitsplatzverteilungen zu erzeugen. Hier könnten allerdings auch durchaus positive Anteile enthalten sein. Die Durchsetzung dieser Simplifizierung, Verenglischung und Abwandlung vom Standarddeutschen könnte die Übermacht der deutschen Sprache zerbrechen und Raum für die Kodifizierung anderer Sprachen wie dem Bairischen, Sächsischem oder Friesischen schaffen. Eine Teilung des deutschen Sprachraums in dieses neue verenglischte Deutsch für diejenigen, die dies wollen, und diese anderen Sprachen wäre folgerichtug aus minderheitsrechtlichen Gesichtspunkten voll zu unterstützen.
Den Gipfel allerdings setzt schließlich die Bezeichnung Siedler für israelische Besetzer von Gebieten im Westjordanland, wohingegen sich zur Wehr setzende Kräfte als Terroristen betitelt werden. Hier wird die Abkehr von einer Zweistaatenlösung, welche zumindest irgendeine Lösung ist, von Israel seit Jahrzehnten befördert. In der Berichterstattung der oben genannten Medien wird damit der systematische Rechtsbruch durch einen Begriff kaschiert, der eher positiv mit Aufbruch, Neuanfang oder Wildwestromantik besetzt ist. Die ARTE Nachrichten sind eine erfrischende, europäische Abwechslung von rein nationalen Medien. Hier wird in den Nachrichten vom 28.10.2023 von Seiten Palästinas von 8000 Toten bereits in Minute 1, gesprochen. Weiter von getötet in Minute 1:23 und 5:48. Hingegen wird in Minute 4:34 von ermordet auf Seiten Israels gesprochen. Das palästinensische Gesundheitsministerium wird auch nicht so genannt, sondern als das von Hamas geführte Gesundheitsministerium in Minute 00:50. Ganz so als wäre es normal die Partei zusammen mit dem Ministerium zu nennen. Niemand spricht ständig vom SPD geführten Gesundheitsministerium, um deren Autorität anzuzweifeln. Den Hamas wird Geiselhaftder eigenen Bevölkerung in Minute 2:50 unterstellt. Fragt sich doch aber auch wo sie denn hin sollen. Werden doch zweieinhalb Millionen Menschen in ein Gebiet kleiner als Berlin gezwängt. Markus Lanz beginnt seine Sendung am 31.10.2023 mit dem Zitat von Albert Camus "Darf man töten, um das Morden zu beenden?". Die Begründung liegt fast schon in der Wortwahl. Die einen seien grausame Mörder, ganz einfach, die anderen seien beinahe gezwungen, zu handeln und zu töten. Die Zahlen spiegeln hier ganz klar keine Statistik wider, dies soll auch nicht angestrebt werden. Allerdings bleibt ein bitterer Nachgeschmack, wenn dies das Ergebnis einer zufälligen Stichprobe eines zweier ganz normaler Fernsehabende ist, dass hier tatsächlich eine subtile Bewertung der Ereignisse stattfindet.
Zu diesem Thema wird immer wieder betont, dass die Beurteilung aus deutscher Haltung eine scheinbare steile Gradwanderung sei. Doch handelt sich hierbei doch nicht um einen Freifahrtschein für Israel. Sondern gilt doch das ganz klare, richtige Mantra des Aus-der-Vergangenheit-lernen, nicht zu vergessen, dass eine Minderheit vor einer Übermacht oder Mehrheit auch geschützt werden muss. Das Lernen aus deutscher Vergangenheit schließt nicht mit ein, wer diese Übermacht ist.