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Und immer bleibt die Frage - Wie viel Hypokrat darf eigentlich sein?

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Artikel 4 - In einem Land vor unserer Zeit, wo alles besser war

Selten lacht sich Günther so ins Fäustchen, als Samstags. Am Samstag ist Markttag in der Stadt. Dann wird Obst und Gemüse verkauft. Seit einiger Zeit verkaufen sich da Biolebensmittel zu einem höherem Preis als sogenannte herkömmliche Lebensmittel. Wenn diese ausgehen, stockt er mit günstigen Lebensmittel auf, legt sie bei und verkauft sie mit. Herrlich, wie einfach diesen Deppen das Geld abgeknöpft werden kann.

Ob Biolebensmittel die Heilbringer sein werden sei dahingestellt. Vermutlich nicht, aber gegen mehr Vielfalt auf dem Markt sollte eigentlich nichts einzuwenden sein. Nichtsdestotrotz bleibt es doch oftmals verwunderlich woher diese Abscheu, gar Wut, gegenüber diesen Lebensmitteln kommt. Einerseits vermutlich wegen der unterstellten Heuchelei potentieller Käufer. Denn die Ablassbriefe des 21.Jahrhunderts sind möglicherweise durch einen Bioapfelkauf ersetzt worden. Völlig irrelevant die Skiausflüge im Winter, Flugreisen ganzjährig und der sonstige Freizeitstress der allerhand Auswirkungen auf die Umwelt haben könnte. Andererseits könnte man argumentieren, dass es jedem selber überlassen ist, wo man Abstriche macht. Der eine mehr, der andere weniger.

Einher mit dieser Biokultur, geht manchmal der Kauf bei heimischen Landwirten. Ebenfalls grundsätzlich eine Entwicklung, der man äußerst positiv gegenüberstehen sollte. Dies birgt schließlich das Potential mächtige Dritte, wie den Supermarktketten, zumindest kleinere Anteile abzunehmen und somit autonomer am Markt teilnehmen zu können. Dass dies oftmals einen erheblichen Mehraufwand an Investitionen, Zeit und Arbeitskraft für die Landwirte bedeutet, bei vergleichsweise geringem Zusatzeinkommen, wird hierbei aber gern wegromantisiert.

Für den Verbraucher bedeuten Supermärkte allerdings auch Vorteile: Vergleichbarkeit und Standardisierung mit der einhergehenden Regulierung durch Behörden. Selbstverständlich zeigt sich hierbei, dass ein Ausgleich an verschiedenen Bedürfnissen, hier Standardisierung und Umweltschutz, zu finden ist. Das kann auch zeitliche Schleifen bedeuten ein und das selbe Thema erneut zu bearbeiten. Hier sei Kompetenz der Behörden vorausgesetzt. Umso mehr schockieren Fälle von Korruption und Inkompetenz wie im Falle der BaFin in Deutschland. Nichtsdestotrotz sei davon auszugehen, dass Behörden ihren Aufgaben zur Überwachung gerecht nachkommen. Anders sieht es da bei Wochenmärkten aus. Der Charme der Nähe zum Erzeuger geht mit der Unüberschaubarkeit des Nachweises einher. Umso mehr ärgert Günther, dass die Bürokraten aus München, Berlin und vor allem Brüssel ihm Striche durch die Rechnung machen. Ein Strich kommt in Form der Verordnung Nr. 834/2007 und deren Erweiterung Nr. 2018/848 daher. Der von Kritikern vorgetragenen Regulierungswahn der Behörden scheint demnach nicht ganz nachvollziehbar, wäre es doch verantwortungslos Betrügereien so einfach durchgehen zu lassen. Denn unregulierte Märkte und kein Auftreten des Staates lassen obige Szenarien zu. Ein völlig betrugsfreier Markt bleibt wohl Utopie, doch eine derartige Destabilisierung zuzulassen käme dem Anspruch eines Rechtsstaates nicht nach. Vor dem Hintergrund, dass korrekte Kennzeichnung, ähnlich wie beim Markenrecht, dafür sorgt, dass Vertrauen im Markt herrscht. Dies beabsichtigt auch Artikel 3 der Verordnung Nr. 834/2007 ganz deutlich. Vertrauen und konstante Qualität im Markt stabilisiert dieser Ansicht nach den europäischen Binnenmarkt.

Normen können immer als Hindernisse gesehen werden. Teilweise mögen sie das auch sein, aber dafür kann man sie anpassen. Größtenteils sorgen sie aber wohl für Sicherheit und schaffen Standards, die Schritt für Schritt gesellschaftliche und kulturelle Standards werden. Was vor 20 Jahren als normal angesehen wurde, kann durch die Einführung einer Regelung zu allgemeiner Akzeptanz führen. Als Beispiel könnte hier auch das Rauchverbot in Bierzelten gesehen werden. War es um 2005 noch ganz normal, dass ein abendlicher Bierzeltbesuch einem Gang durch eine Räucherkammer ähnelte, so ist es doch allgemein akzeptiert heute für den Nikotingenuss rauszugehen. Nicht immer sind strengere Regeln zwangsweise zu begrüßen und ebensowenig die gesellschaftliche Anpassung durch diese. Allerdings dürfte auch das Fahren mit Alkohol am Steuer gesellschaftlich deshalb geächteter sein, weil die Strafhöhe gestiegen ist.

Es bleibt hier festzustellen, dass der Vorwurf des Regulierungswahns vor allem dadurch herrührt, dass Betrügereien weniger leicht durchführbar sind. Oftmals sind diese Betrügereien auch kausal für das Auftreten des Staaten durch Regulierung. Demnach könnte man behaupten, selbst Schuld. Denn klar ist, mehr Regulierung geht meist auch mit mehr Bürokratie und Zusatzaufwand einher. Diese Begründung der Umkehrung der Ereignisse, nämlich zuerst Rechtsbruch oder zumindest sittenwidriges, zweifelhaftes Verhalten und dann Regulierung, möge zwar nicht immer stimmen, jedoch wird diese Kausalitätsrichtung von Kritikern oft verkannt, wäre in der Diskussion allerdings nennenswert. Regulierung und Bürokratie zeugt auch von Professionalität. Eine Überregulierung kann nie das Ziel sein, die ständige Kritik an Regulierung übersieht allerdings die romantische Vorstellung das Menschen ohne Regulierung oder Konsequenzen sich an rein wertorientiert verhalten.

Genauso wie im einführenden Beispiel, verhält es sich mit der Bekämpfung der Steuerhinterziehung bei der Bonpflicht. Ist doch die Bonpflicht wohl das kleinere Problem als Frank Thelen als so starkes populistisches Sprachrohr in den Medien und Politik. Wird ihm schon von t3d Oberflächlichkeit vorgeworfen, ist es dann aber direkt verwirrend, wie so jemand der Telekom beiseite tritt wenn es um den Ausbau der Digitialisierung geht. Geht doch die Telekom aus dem Unternehmen hervor und führte die Tradition des Kupferkabels lange Zeit fort.