Artikel 36 - Fachkräftemangel Papiertigerüberschuss
Journalismus ist ein harter Beruf, in der Hinsicht, dass am Ball bleiben in einem breit gefächerten Themespektrum bei gleichzeitig tiefgründiger Durchdringung entsprechender Themenschwerpunkte eine wahre Herausforderung darstellt. Nichtsdestotrotz ist die repetitive Wiederholung und Reinterpretation eines Begriffs ein einfallsloses in die Kerbe schlagen. Im täglichen Heise Beitrag zur KI wird in Minute 13 in die Kerbe des Fachkräftemangels geschlagen. Ein Begriff, der so inflationär gebraucht wird, dass er sich scheinbar eingebrannt haben muss und in keinem Bericht der irgendetwas mit Wirtschaft zu tun hat mehr fehlt. Im Beitrag geht es um die mechanische Unkrautbekämpfung anstatt chemischer Methoden. Roboter wären hier durchaus ein interessanter Ansatz. Auch ist der Beruf des Landwirts zu einem umfangreichen Berufsbild erwachsen, das abgesehen von Fleiß und der mentalen Verabschiedung eines Arbeit-Leben-Ausgleichs sowohl technische, pflanzliche, tierärztliche, chemische, betriebswirtschaftliche, steuerliche, organisatorische als auch soziale Kompetenzen abverlangt, ganz zu Schweigen vom unternehmerischen Risiko. Das Ausreißen von Unkrat ist jedoch weder heute, noch zu Königszeiten oder in mittelalterlichen Getreidefeldern mit Fachkräften zu bewältigen gewesen. Vielmehr waren die Ernten einfach weniger ertragreich. Bei zunehmender Einwanderung und demensprechend steigenden Immobilien- und Flächenpreisen, Verkaufsdruck durch die Gemeinden, Biogasproduktion, Solarparks und Industrieversiegelung verlangen auf weniger Flächen eine höhere Ertragsdichte. Die Folge ist, dass die Unkrautbekämpfung Mit Fachkräften ist Unkrautjäten wirtschaftlich noch nie möglich gewesen. Weder mit Fachkräften noch dem dümmsten Analphabeten ist die mechanische Unkrautbekämpfung zu Mindestlohn wirtschaftlich möglich. Die unbedachte Monotonie in der stetigen Fachkräfteargumentation untergräbt journalistische Beiträge dieser hochfrequenten Art. Vielmehr trägt es zur Etablierung eines Gesellschaftsverständnisses bei, welches quasi ohne weiter hinterfragt zu werden, angenommen wird um Rechtfertigung für jegliche Agenda daraus zu ziehen.
Beim Fachkräftemangel gibt es allerdings tatsächlich Redebedarf, ganz ohne Unkrautbekämpfung. Mit dem bayrischen und deutschen Mittelstand verbunden ist das Rückgrat der Qualität die Lehre und Ausbildung und damit die Gesellen, Techniker und Meister. Im Gegensatz zur kostenlosen Ausbildung für angehende Akademiker beweisen diese Männer und Frauen bereits durch die Autofinanzierung ihrer Ausbildung ihre Tugend und Fleiß. Die Bildungspolitik schuf jedoch eine Atmosphäre, in der nur ein Studium gesellschaftlich ansehbar wurde und wirklich jeder fiel darauf herein, der Autor dieses Textes mit eingeschlossen. Privatuniversitäten zogen in die Innenstädte, für die die geistig zwar nicht bereit waren und den Ansprüchen staatlicher Bildungseinrichtungen zu genügen und ließen anderswo die grünen Wiesen mit Häusern von Umweltschützern versiegeln während der erzieherische Druck für Eltern stieg, den Anforderungen eines Studiums ja gerecht zu werden.
Geisteswissenschaften, wie die Romanistik, so wunderschön sie auch sind, tragen nur unmittelbar zur Wertschaffung bei. Wo ganze Armaden aus überbezahlten Personen mit Hochschulabschluss die Büroflächen von Unternehmen füllen, für Tätigkeiten, die entweder überflüssig oder mit akademischer Ausbildung wenig zu tun haben, muss die Wertschöpfung zunehmend einen Wasserkopf mittragen. Die Folge ist, dass Frauen später und weniger Kinder bekommen, Bürokratie als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme quasi selbsterhaltend institutionalisiert wird und weder physisch noch metaphorisch will sich irgendjemand noch die Hände schmutzig machen. In Besprechungen lauschen, Präsentationen malen und mit Künstlicher Intelligenz plaudern wird zum dekadenten Alltag einstiger Wirtschaftslegenden.
Mit der dualen Ausbildung in Deutschland hat man ein sehr besonderes System geschaffen, dass zwar verändert, angepasst und auch verbessert werden kann, aber im Kern und im Resultat - nämlich der Schaffung spezialisierter Fachkräfte - bleibt es das Konzept großartig. Anstatt diese Leute finanziell aufzuschwemmen und gleichzeitig die Organisatoren auf mittlerer Organsiationsschichten, Personalabteilungen, Beratern und Ausuferungen des Wasserkopfs auszutrocken, holt man sich in sozialer und kultureller Ignoranz ganz einfach Humankapital aus dem Ausland. Der Marktwirtschaftsgedanke zur Auspendelung von Berufsbildnachfrage und -angebot wird damit zur Farce. Sowohl nach dem Wiederaufbau Deutschlands, als auch heute, ist dieser Aufbau von Humankapital zur Drückung von Löhnen, ganz im marktwirtschaftlichen Sinne des Konkurenzkampfes fernab akademisch geprägter Berufsbilder, das Wirtschaftsmodell schlechthin.