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Und immer bleibt die Frage - Wie viel Hypokrat darf eigentlich sein?

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Artikel 20 - Konsumtracht

Zur Bestimmung autochtoner Tracht kommt es nicht auf den Zeitpunkt ihrer Entstehung an, ob im 19. Jahrhundert oder unbekanntem Ursprung prekolumbianischer Zeit. Obgleich konkrete Zeitpunkte sowieso kaum zu bestimmen sind, denn ist Mode ebenso Ausdruck der Entwicklung einer Gesellschaft. Die Erzeugung von Huaraches aus alten Autoreifen im 20. Jahrhundert ist bestes Beispiel dafür und umso bitterer schmeckt ist der Nachgeschmack nach wirtschaftlicher Ausbeutung einer scheinbar moralischen Ausbeutung im Huaraches Fall von Adidas.

Als Bayer freut es einen, wenn Menschen sich für die eigene Kultur und Tracht begeistern, selbst wenn diese teilweise in recht einfältiger Form von ebensolchen Großkonzernen wie H&M und Konsorten vertrieben werden, ganz im Gegensatz zum doch philosophisch recht überschaubaren Beitrag Kulturelle Aneignung: Dürfen etwa nur Bayerinnen Dirndl tragen?, mit Großkonzernen hätte dies nichts zu tun.

Der Begriff der kulturellen Aneignung ist Ausdruck einer Streitsucht, die Wertschätzung und Respekt missachtet und erst durch die gewünschte Korrektheit ein kulturelles Über- und Unterordnungsverhältnis suggeriert. Abgesehen davon bleibt es uns Bayern demnach aber dennoch verwehrt, weil der Begriff in diesem Sinne nur ausgewählten Minderheiten reserviert bleibt. Die Bayern gehören nicht dazu. Ein geflochtenes Schuhwerk, dass von Laien kaum von anderen Sandalen zu unterscheiden ist wird in revisionistischer Form dem ebenso handwerklich anspruchsvollen und regional extrem vielfältigen, in der gesamten Alpenregion verbreiteten, und darüber hinaus, von Slowenien bis Tirol, von der Schweiz bis nach Bayern, Böhmen und den Karpaten, im Sinne eines geisten Eigentums übergeordnet. Schlussendlich den Bayern die gesamte kulturelle Autonomie des "mia" abzusprechen setzt dem Ganzen noch die Krone auf und passt in ein Sendeschema der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten, autochtone Kultur in kontinuierlicher Art und Weise, subtil zu diskreditieren, wie es die ARD am 21.10.2025 im Tatort "Sie sind unter uns" eindrucksvoll gezeigt hat. Von oben blickt man auf die Brust eines jungen Mannes, wo zunächst ein Kreuz an seiner Kette zu sehen ist. Wer denkt dies sei Zufall, wird im nächsten Augenblick, in einer Frontszene eines Besseren belehrt. Wie von Geisterhand öffnete sich das Hemd und erneut blitzt ein teuflisches Christenkreuz hervor. Sie bedienen sich derjenigen Stereotype, die es eigentlich nicht geben dürfte. Unscheinbar, aber kontinuierlich verunglimpft und ad absurdum geführt, sei jede kulturelle Eigenständigkeit. Große Medienhäuser blasen ins Horn kultureller Selbstauflösung und Gleichschaltung. Sollten in der Feria de Sevilla auch die Andalusier keine eigenständige Mode und Tradition haben? Sollten die Basken in Pamplona kein San Fermín keine Tradition haben? Sollten die katalanischen Castells mit den aufwendigen Kostümen und der reichen Esskultur weniger Tradition haben, weil sie wie alpenländliche Tracht dem 18. Jahrhundert zugeordnet ist und damit 500 Jahre jünger als heute aus alten Autoreifen gefertigte Sandalen? Sollten auch dort, wie mondäne Müncher vehement betonen, die Besucher und Bewohner in Jeans und mit lächerlich teueren Modemarken die Festivität besuchen um auch ja niemanden potentiell auszuschließen? Eine Reise dort hin zu diesen Orten wäre nicht einmal mehr nötig, denn bis auf das Wetter würde der Unterschied so lange bekämpft werden, bis auch dort in gleichklingender, universell englischer Musik alles identisch ist. Das Oktoberfest und jegliche Duid im allgemeinen, sowie alpenländliche Tracht ist einzigartig. Ähnliche, kulturelle Eigenständigkeiten nahezu weltweit von Globalisierern bereits ausgetrieben. Von Medienhäusern die sich ansonsten die Vielfalt tagein tagaus so hoch auf die Fahne schreiben sind weniger bescheidene Beiträge zu erwarten, als eine von echten Bayern selbst nie entfachten Diskussionen zu kultureller Aneignung.