Monelli

Strize

Und immer bleibt die Frage - Wie viel Hypokrat darf eigentlich sein?

Mastodon Tröts

Artikel 14 - Privatresilienz

Die Unfähigkeit europäischer Führer der letzten Dekaden eigentständige Entscheidungen zu treffen und Visionen zu entwicklen, die über Phrasen von Wertegemeinschaften oder moralischer Überlegenheit hinaus gehen hat dazu geführt, dass Europa in nahezu allen Belangen, von Militär über Medizin, Elektronik bis hin zu Nahrungsmittelsicherheit von nicht europäischen Regionen abhängig ist. Diese Abhängigkeit ist nicht nur ein Problem der Makroebene, sondern auch ganz persönlich.

Die Unfähigkeit anderer reicht aber nicht alleinig als Vorwand für Probleme auf persönlicher Ebene aus. Zumindest ein Versuch zum Handeln wäre möglich. Zweierlei Strategietypen könnte man hier unterscheiden. Zum einen eine geistige Resilienz, die es einem ermöglicht, mit zusätzlichen Fertigkeiten zukünftige Chancen anders wahrzunehmen. Sprache ist hier ein offensichtliches Beispiel, denn diese ermöglichen es Menschen auf ganz andere Weise begegnen zu können und schaffen es ein Näheverhältnis zu erschaffen. Andere, weniger offensichtliche Beispiele könnten Kurse aller Art sein. Kochkurse für ganz spezielle Ingredienzen, Pilzsammlerkurse oder Töpferkurse schaffen neue Blickwinkel und bei den Unwägbarkeiten des Lebens ergeben sich Möglichkeiten für diejenigen, die dafür gewappnet sind.

Neben diesem Ansatz, gibt es eine materielle Resilienz, die es einem ermöglicht, sich zumindest Teilautonomie zu bewahren. Die Trennung des Menschen von seiner Natur durch ein System der Spezialisierung hat großartige Vorteile, doch scheint es eine Grenze zu geben. Einen Punkt zwischen Spezialisierung und Unabhängigkeit. Unabhängigkeit von nicht europäischen Regionen und Staaten, sowie von Konzernen, deren Macht teilweise die Möglichkeit bietet marktwirtschaftliche Regeln zu umgegehen.

Im Sinne eines Fünf-Jahresplanes könnte ein Wandel dieser Art realisierbar sein. Beispielsweise eine 30-Prozentige Teilautonomie in betimmten Versorgungsbereichen. Balkonkraftwerke bieten hier eine Möglichkeit, die 30 Prozent bei normalem Energieverbrauch - ohne Wärmepumpe - zu erreichen. Bei Zugang zu einem öffentlichen Garten oder einem eigenen Grundstück wäre es möglich diesen Ansatz weiter zu treiben. Wer es langsam angehen möchte, könnte es schaffen seinen Kräuterverbrauch zu autonomisieren. Aller Anfang ist schwer, doch ein Fünf-Jahresplan führt eine Art spielerische Beschäftigung zum Thema ein.

Ist ein Fünf-Jahresplan mit anschließender Selbstversorgung auf lange Sicht tatsächlich ernst gemeint? Vollständige Autonomie ist selbst für den größten Optimisten nicht in Sicht. Doch es gibt einen größeren, einen geopolitischen Zusammenhang. Die Globalisierung hat nicht nur auf der Mikroebene, im Leben des Einzelnen dafür gesorgt, dass moderne Gesellschaften aus Individuen bestehen, die höchst spezialisiert sind. Ein Staubkorn im Getriebe kann dieses allerdings mindestens zum Stottern bringen. Auf der politischen, Makroebene hier versinnbildlicht, schafft es die Globalisierung, eine Konkurrenz zum Staat und dessen demokratisch legitimierter Souveränität zu schaffen. Um dieses Souverän zu erhalten und den Ball nicht globalen Mitspielern zu überlassen, stellt sich die andauernd neu abzuwägende Frage, wie weit Effizienz und Spezialisierung gehen darf. Ab wann ist in den sauren Apfel zu beißen und weniger lukrative Tätigkeit zu betreiben, um sein Souverän nicht zu verlieren?

So lächerlich es klingt, einen Fünf-Jahresplan zur Bewahrung seiner Unabhängigkeit und Souveräns zu vollziehen, ist dieser doch nur die Abwärtsskalierung der Chipfertigung, die wenig lukrativ ist; der des Medikamentendrucks, der nicht genug zum BIP beiträgt. Insofern könnte die Trumpsche Zollpolitik nur schlecht publiziert sein. Die Darstellung eines Geschäftsmannes ist hier nicht stimmig, denn aus Effizienzgründen wäre die Spezialisierung der Industrie eher zu vermuten. Vielmehr müsste diese aus Stärkung des Souveräns verkauft werden, um Verständnis zu erlangen.